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Wenn die Nase mal wieder laufen lernt

Ein Beitrag von Sören Pischki. Sören ist Papa zweier Töchter und schreibt auf seinem Blog regelmässig über den ganz normalen Familienwahnsinn. Du möchtest noch mehr Anekdoten lesen? Dann gibt's die auch gebündelt in Buchform.





Ein ruhiger Samstagmorgen. Es ist 6:24 Uhr. Die langsam aufgehende Sonne bekleidet die Nacht mit dem Mantel der Dämmerung. Ich blinzle und bemerke, dass die gestrige Sorge, unsere kleine Tochter (2) könne sich etwas stärker erkältet haben, von der zutiefst wohltuenden Wärme der am Vortag frisch bezogenen Bettdecke verdrängt wird. Ich entscheide, mich in die Richtung der Schlafzimmertür zu drehen, um mein Dösen vor dem Aufstehen noch einmal in ein beglückendes Stündchen Schlaf gleiten zu lassen. Als mein Ohr wieder das Kissen berührt, spüre ich einen säuerlichen Atem, öffne ein Auge und erspähe zwei Millimeter vor meinem Gesicht eine gelblich schleimig Substanz, die aus einer kleinen, roten Stupsnase rinnt. Ohne den Ernst der Lage zu erkennen, schließe ich mein Auge wieder und … "ROOOTZNAASE!!!"


Mein Herz schlägt bis zum Hals! Was ist los? Wo bin ich? Habe ich verschlafen und bekomme nun Ärger von meiner Klassenlehrerin? Nein, warte mal! Ich gehe doch schon seit 17 Jahren nicht mehr zur Schule! Ich hab doch mittlerweile zwei Kinder, die … "PAPAAA!!! ROOOTZNAASE!!!"


Meine Tochter signalisiert mir, dass ich ihr dringend die Nase putzen soll. Ich drehe mich zu meiner Frau, die so tut, als würde sie schlafen. Mir wird bewusst, warum sie sich vor acht Jahren diese Seite des Bettes ausgesucht hat. Was für ein beeindruckendes Kalkül!


Ich putze meiner Tochter die Nase und frage sie, ob sie nicht noch ein bisschen spielen will. Sie lässt sich auf den Vorschlag ein, während ich versuche, meinen Puls in normale Bahnen zu lenken. Meine Augen fallen langsam wieder zu, als … "Papaaaa! Schau mal! Der Hefter für die Vorschule ist gar nicht richtig sortiert." Unsere ältere Tochter (6) steht plötzlich vor mir und zeigt auf die Buchstabenvordrucke, die offenbar alphabetisch durcheinander geraten sind. "Weißt Du eigentlich, dass das Alphabet vollkommen willkürlich ist und eine andere Reihenfolge keinen Effekt auf irgendwas hätte?", versuche ich sie zu besänftigen. Sie schaut mich entgeistert an und entgegnet, dass ich doch gefälligst die Arbeitsblätter in korrekter Reihenfolge in die Folien reinfummeln solle. Dabei mustert sie mich mit der Ernsthaftigkeit eines fünfzigjährigen Steuerberaters. Meine Hände sind noch sehr schwach und kribbeln, so dass mir die Aktion große Schwierigkeiten bereitet.

Ich blicke wieder nach links. Meine Frau macht immer noch keine Anstalten, sich am Geschehen zu beteiligen.


Nachdem ich die Seiten knickreich in die Folien gequetscht habe, entschwindet meine Tochter zufrieden. Ich sinke wieder langsam in meine Traumwelt, als …


"ROOOOOOOOOTZNASE!!!"


Ich greife nach dem Taschentuch und stelle fest, dass meine Tochter gar nicht vor mir steht, sondern aus dem Kinderzimmer brüllt. Ich rufe: "Komm her!"


Sie: "ROTZNAAAASE!" Ich: "JAAA! ICH WEIß! ICH HAB DAS TASCHENTUCH HIER!" Sie: "Rotznase! ROTZNASE! ROOOTZNAASE!!!"


Ich schleppe meinen müden Körper zu ihr: "Ich glaub, Du musst langsam mal lernen, Dir selbst die Nase zu putzen."

Sie: "ROOOTZ…." Ich: "... Nase. Ich weiß. Kannst Du das auch eventuell etwas höflicher sagen?" Sie: "ROTZNAAAASE! BITTTTTEEEE!"


Der Tag verläuft so, wie er angefangen hat. Ständig wird geschrien. Überall lauert Schleim - so enorm viel Schleim! Ich glaube ernsthaft, wenn man den Schnodder allein meines Kindes als Kraftstoff nutzen könnte, hätten die Staaten des Nahen Ostens ein echtes Problem.


Wenn ich auf die "Rotznase"-Rufe nicht unmittelbar reagiere, werden die Schreie so laut, dass ein Motörhead-Konzert im Vergleich wie eine Spa-Entspannungsmelodie wirkt.


Mittlerweile begreife ich, warum sie die Marke "Tempo" genannt haben.


Tag 5 - Das Ende der Rotznase-Saga.

Ich bin inzwischen bis unter die Zähne mit Taschentüchern bewaffnet. Ich zücke sie schneller als der Schrei kommt. Ich bin der Lucky Luke des Naseputzens. Insgeheim gebe ich mir den Spitznamen "Taschy Tuch", erzähle es aber keinem, da mir das selbst vor meinen Kindern peinlich ist.


Es schallt wieder durch die Wohnung: "PAAAPAAAA!!! …"

Ich: "Was reimt sich auf Trotzphase?" Sie: "ROOO … äh … GAR NICHTS!!!"


Plötzlich ist es vorbei. Schnupfen: Einfach weg. Habe ich irgendeine eine geheime Formel gefunden? Zwar bin ich etwas enttäuscht, dass ich die Wörter "Motz-Hase" und "Kotz-Blase" nicht mehr anbringen kann, die Erleichterung des Sieges über diesen zermürbenden Schnupfen überwiegt jedoch.




 

Ein paar abschliessende Worte zu uns: Little Dreamers möchte anderen Eltern helfen, die Zeit mit ihren Kleinsten noch schöner zu gestalten, als sie schon ist. Sei dies durch unseren Luzern für Eltern Bereich mit vielen Informationen für andere Eltern, Produkte mit Herz oder ein offenes Ohr für deine Fragen rund ums Thema Elternsein.


"Die wertvollsten Geschenke, welche wir unseren Kindern machen können, sind Zeit, ungeteilte Aufmerksamkeit und bedingungslose Liebe."



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